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unterHUNDs – Hundeschule und Verhaltenstherapie im Saarland Initiative für gewaltfreies Hundetraining

Curriculum

Ausbildung „Soziale Hunde“ – Besuchs-, Schul- und Therapiehundeteams

Module, Inhalte, Voraussetzungen und Stundenumfang – offen einsehbar.

1. Zweck und Leitbild

Die Ausbildung „Soziale Hunde“ bei unterHUNDs qualifiziert Mensch-Hund-Teams für verantwortungsvolle Einsätze in sozialen, pädagogischen und therapeutischen Kontexten. Im Mittelpunkt steht nicht die „Leistung“ des Hundes, sondern die sichere, tierschutzgerechte und ethisch vertretbare Zusammenarbeit als Team.

Der Hund wird ausdrücklich nicht als „Therapieinstrument“ betrachtet, sondern als fühlendes Lebewesen. Einsatzfähigkeit bedeutet daher immer: Freiwilligkeit, Belastbarkeit im Rahmen der individuellen Grenzen und nachhaltige Stressarmut.

Die praktische Ausbildung findet im Saarland im Raum Merzig-Wadern in begleiteten Trainingssettings sowie realitätsnahen Alltagssituationen statt.

2. Einsatzbereiche

Die Ausbildung deckt – je nach Spezialisierung – folgende Einsatzfelder ab:

  • Besuchshundeteams, etwa im Seniorenheim, in Wohngruppen und Einrichtungen
  • Schulhundeteams für den pädagogischen Alltag, Unterrichtsbegleitung und Vorlesesituationen
  • Therapiehundeteams in therapeutischen Settings, Kliniken, Praxen und Einrichtungen
  • Bürohunde und Begleithunde in Projekten, etwa Co-Working, kommunale Projekte und Alltagssituationen

3. Ausbildungsziele

Teilnehmende Teams sollen befähigt werden:

  • den Hund sicher, ruhig und tierschutzgerecht in fremden Umgebungen zu führen
  • Körpersprache, Stresssignale und Belastungsgrenzen zu erkennen und rechtzeitig zu handeln
  • Einsatzabläufe strukturiert zu gestalten – Rituale, Rückzug, Notfallplan
  • Hygiene- und Sicherheitsstandards im Einsatz verlässlich umzusetzen
  • das Mensch-Hund-Team im Einsatz reflektiert weiterzuentwickeln – Feedback, Videoanalyse, Supervision

4. Teilnahmevoraussetzungen

4.1 Voraussetzungen Hund

  • Gesundheit: klinisch gesund, frei von ansteckenden Erkrankungen, Impf- und Entwurmungsstatus aktuell
  • Sozialverhalten: freundlich und kontaktfähig gegenüber Menschen, keine ausgeprägte Aggression oder extreme Schreckhaftigkeit
  • Trainierbarkeit: kooperativ und lernbereit, Grundsignale vorhanden oder im Rahmen der Basismodule aufgebaut
  • Stressresistenz: der Hund darf in fremden Umgebungen nicht regelmäßig in Panik, Verweigerung oder Überforderung geraten
  • Alter: Training kann früh starten, praktische Abschlussprüfungen in der Regel ab etwa 18 Monaten, Einzelfallentscheidung möglich

4.2 Voraussetzungen Mensch

  • Verantwortungsbewusstsein und Zuverlässigkeit – Pünktlichkeit, klare Einhaltung von Regeln und Absprachen
  • Interesse an tiergestützter Arbeit und respektvollem Umgang mit Zielgruppen
  • Trainingsbereitschaft: Üben im Alltag, Hausaufgaben, kontinuierliche Mitarbeit
  • Selbstreflexion und Offenheit für Feedback

4.3 Eignungstest (Pflicht)

Vor Ausbildungsstart erfolgt ein Eignungstest zur Einschätzung der grundsätzlichen Passung. Ergebnisoptionen:

  • Geeignet – Start in Modul 1
  • Bedingt geeignet – Vortraining oder gezielte Vorbereitung empfohlen
  • Nicht geeignet – im Sinne von Tierwohl und Sicherheit, mit klarer Kommunikation

5. Ausbildungsstruktur

Die Ausbildung ist modular aufgebaut und wird je nach Einsatzweg ergänzt.

  • Grundstufe (verbindlich für alle): Module 1 bis 3
  • Spezialisierung Schulhund: Module 4 bis 5
  • Spezialisierung Therapiehund: Module 4 bis 8

Jedes Modul umfasst mindestens zwei Stunden angeleitetes Training in der Gruppe. Dazu kommen Einzeltermine, Übungseinheiten im Alltag, Hospitationen und Videoanalyse – der überwiegende Teil der praktischen Ausbildung findet außerhalb der Modultermine statt.

Praktischer Gesamtumfang je Einsatzweg

  • Besuchs- und Bürohundeteams: rund 30 Stunden
  • Schulhundeteams: rund 50 bis 60 Stunden
  • Therapiehundeteams: rund 60 bis 70 Stunden

Die tatsächlich geleisteten Stunden werden dokumentiert und im Zertifikat ausgewiesen.

Hinweis zu Trainingsorten: Wenn reale Einsatzorte nicht zugänglich sind, werden authentische Ersatzsituationen geschaffen – Simulationen, vorbereitete Räume, Requisiten, Co-Working-Spaces.

6. Inhalte der Module

Grundstufe – verbindlich für alle

Modul 1 – Basistraining (Grundlagen)

Ziel: verlässliche Basis-Signale und grundlegende Einsatzfähigkeit

  • Sitz, Platz und Rückruf mit Markersignal
  • ruhiges Liegen auf der Decke (mindestens 3 Minuten) trotz Hintergrundreizen
  • Begrüßung ohne Anspringen oder Überdrehen
  • Impulskontrolle, etwa Futter am Boden und Abbruchsignal
  • Orientierung am Menschen, Leinenführigkeit in Innenräumen

Modul 2 – Alltagstransfer (Ablenkung und Umwelt)

Ziel: Übertragung der Grundlagen in reale Umweltsituationen

  • Rollator, Krücken, Rollstuhl und typische Hilfsmittel
  • Türsituationen, Betreten und Verlassen von Gebäuden
  • Geräusche und Reize wie Stimmengewirr oder Einkaufswagen
  • Training an belebten Orten, bei Wetter mit Alternativen wie Parkhaus, Flur oder Vereinsraum

Modul 3 – Einsatzsimulation (Belastung und Notfallroutinen)

Ziel: Stabilität in anspruchsvollen, unvorhersehbaren Szenarien

  • ungewohnte Bewegungen und Gesten, unruhige Gruppen
  • enge Räume und Flure, Publikumsverkehr
  • Rückzugssignal auf die Decke oder hinter die Füße
  • Abbruchsignal und Entlastungsroutine
  • Notfallplan: Raum verlassen, Ruheplatz, Wasseraufnahme

Schulhund-Spezialisierung (Module 4–5)

Modul 4 – Pädagogischer Einsatz (Schule)

Ziel: verlässliches Verhalten im Kontext Kinder und Schule

  • schnelle Bewegungen, schrille Rufe, unregelmäßige Sprache
  • Begrüßung durch Kinder, auch über Simulation
  • Rituale: Begrüßung, Vorlese- oder Arbeitsphase, Rückzug
  • Selbstregulation bei Reizüberflutung, Rückzugsmanagement

Modul 5 – Abschluss Schulhund (Recht und Praxisprüfung)

Ziel: Abschlussprüfung unter schulnahen Bedingungen sowie Grundlagen zu Recht und Hygiene im Schulbetrieb

  • Prüfungsszenario „Schulstunde“, real oder simuliert
  • Deckenruhe, Begrüßung, Kinderreize
  • Teamkommunikation und Verantwortungsübernahme
  • Hygiene, Sicherheit und Umgang mit Vorgaben der Einrichtung

Therapiehund-Spezialisierung (Module 4–8)

Modul 4 – Zielgruppenspezifisches Training

Ziel: Sicherheit im Umgang mit besonderen Verhaltensweisen und Bedarfen

  • unkontrollierte Bewegungen, etwa bei neurologischen Symptomen
  • Nähe und Distanz fein regulieren
  • Umgang mit Lautstärke, Schreien und ungewohnten Reizen
  • medizinische Hilfsmittel und Geräte-Umwelt

Modul 5 – Therapeutische Einbindung

Ziel: kontrollierte Mitwirkung des Hundes in therapeutischen Sequenzen

  • Apportieren und Bringen kleiner Gegenstände
  • Signale für Kontakt, Pause, Wechsel und Positionen
  • strukturierte Einbindung in Übungen, angepasst an die Zielgruppe

Modul 6 – Einsatzsicherheit und Hygiene

Ziel: stabile Routinen für Sicherheit und hygienische Standards

  • Erschrecker- und Notfallszenarien sowie Rückzug
  • Hygieneprotokolle für Hände, Fell, Liegefläche und Näpfe
  • Umgang mit Desinfektion und Einmalmaterial
  • optional: Online-Quiz Hygiene-Check

Modul 7 – Supervision im Einsatz

Ziel: Qualitätsentwicklung durch Beobachtung, Reflexion und Feedback

  • Hospitation und Beobachtung im Einsatz, alternativ im Komparsen-Setting
  • Stresssignale, Kommunikation, Schutzfunktion des Menschen
  • Feedbackgespräch und schriftliche Reflexion der Halterperson
  • Videofeedback möglich

Modul 8 – Abschlussprüfung Therapiehund

Ziel: formaler Abschluss mit Prüfung unter realitätsnahen Bedingungen

  • Begrüßung, therapeutische Sequenz, Reize, Rückzug, Hygiene, Teamführung

7. Theorie und Lernzentrum

Die praktische Ausbildung wird durch ein digitales Lernzentrum ergänzt. Teilnehmende erhalten dort jederzeit Zugriff auf begleitende Inhalte, Skripte und Übungs- und Reflexionsaufgaben. Ziel ist es, theoretische Grundlagen wie Verhalten, Hygiene und Recht verständlich und praxisnah aufzubereiten und die Qualität im Einsatz langfristig abzusichern.

Theorie-Module im Lernzentrum (Auswahl):

Ausdrucksverhalten im Einsatz
Körpersprache verstehen, Stressanzeichen erkennen, angemessen reagieren

Hygiene im Einsatz
Hygienevorgaben, Infektionsschutz, Dokumentation, Einsatzroutine

Recht und Verantwortung
Pflichten, Haftung, Einwilligungen, Rahmenbedingungen in Einrichtungen

Lernpsychologie und Wirkung von Hunden
Stressreduktion, Bindung, emotionale Prozesse, Grenzen tiergestützter Arbeit

Praxisplanung und Einsatzgestaltung
Einsatzvorbereitung, Ablaufplanung, Pausenmanagement, Rückzugsstrukturen

Klientengruppen und Bedürfnisse
Senioren, Kinder, Klinik- und Praxiskontext – passende Kommunikation und Settings

Kindgerechte Kommunikation
Regeln, fairer Umgang, sichere Interaktion, was Kinder tun und lassen sollten

Erste Hilfe im Einsatz
Notfälle, Transport, Stresszeichen, rechtlich sinnvolle Vorgehensweisen

Tipps und Tricks im Einsatz
Aktivierung, Auflockerung, Beruhigung – tierschutzgerecht und alltagstauglich

Der Hund im sozialen Einsatz
Ethologie und Sozialverhalten, Lernverhalten und Trainingsgrundlagen, Anatomie und Sinnesleistungen, Herkunft und Haltung, Eignung und Auswahlkriterien

Team und Selbstfürsorge
Ethik und professionelle Haltung, Teambindung, Rückzug und Regeneration, Plan B und Improvisation

Übungs- und Prüfungsmodul

Zu jeder Stufe gehört ein Übungs- und Prüfungsmodul zur Selbstkontrolle und zur Vorbereitung auf die Zertifizierung – je eines für die Grundqualifikation, den Schulhund und den Therapiehund.

Umfang

Das Lernzentrum umfasst 29 Module mit zusammen rund 400 Seiten Fachtext (Normseiten zu 1.500 Zeichen).

  • Grundqualifikation: 17 Module mit rund 237 Seiten
  • Schulhund zusätzlich: 6 Module mit rund 68 Seiten
  • Therapiehund zusätzlich: 6 Module mit rund 97 Seiten

8. Trainingsmethoden und Grundprinzipien

  • positive Verstärkung und Markersignal
  • Impulskontrolle und Selbstregulation ohne Zwang
  • Alltagstransfer und Umweltgewöhnung unter kontrollierten Bedingungen
  • kooperatives Verhalten – Pflege und Handling freiwillig aufbauen
  • Stressmanagement mit Rückzugs- und Sicherheitsritualen

Abgrenzung: Einschüchterung, aversive Reize oder Dominanzmodelle sind ausgeschlossen.

9. Nachbetreuung und Auffrischung

Nach Ausbildungsabschluss stehen zur Verfügung:

  • Refresher-Module zu Signalen, Stress, Hygiene und Einsatzszenarien
  • Einsatzbegleitung
  • Gruppentreffen und Austausch
  • Fortbildungen zu Ethik, Zoonosen und aktuellen Entwicklungen

Empfehlung: Auffrischung spätestens nach 12 Monaten, insbesondere nach Pausen oder einem Einsatzwechsel.

10. Gesamtumfang der Ausbildung

Eine Unterrichtseinheit (UE) entspricht 60 Minuten.

EinsatzwegTheoriePraxisZusammen
Besuchs- und Bürohundeteams 32–44 UE rund 30 UE rund 62–74 UE
Schulhundeteams 41–56 UE 50–60 UE rund 91–116 UE
Therapiehundeteams 45–61 UE 60–70 UE rund 105–131 UE

Die Theorieangaben beruhen auf dem tatsächlichen Textumfang des Lernzentrums bei rund 8 bis 11 Minuten Bearbeitungszeit je Seite – also lesen, verstehen, Quizfragen bearbeiten und wiederholen. Die tatsächlich geleisteten Praxisstunden werden dokumentiert und im Zertifikat ausgewiesen.

Häufige Fragen zum Curriculum

Wie lange dauert die Ausbildung zum sozialen Hund?

Der Umfang richtet sich nach dem Einsatzweg: rund 62 bis 74 Unterrichtseinheiten für Besuchs- und Bürohundeteams, 91 bis 116 für Schulhundeteams und 105 bis 131 für Therapiehundeteams. Wie lange das dauert, hängt von Entwicklung und Belastbarkeit des Hundes ab – die Ausbildungsdauer kann individuell verlängert werden.

Wie viel Praxis ist in der Ausbildung enthalten?

Der praktische Gesamtumfang beträgt rund 30 Stunden für Besuchs- und Bürohundeteams, 50 bis 60 Stunden für Schulhundeteams und 60 bis 70 Stunden für Therapiehundeteams. Die tatsächlich geleisteten Stunden werden dokumentiert und im Zertifikat ausgewiesen.

Muss mein Hund vor Ausbildungsbeginn bereits alles können?

Nein. Grundsignale und Basisfähigkeiten werden innerhalb der Ausbildung aufgebaut oder gefestigt. Wichtiger als Perfektion sind Kooperationsbereitschaft, soziale Motivation und eine angemessene Stressverarbeitung.

Wie sind die Module der Ausbildung aufgebaut?

Die Ausbildung besteht aus verbindlichen Basismodulen sowie einsatzspezifischen Aufbaumodulen. Ergänzend stehen 29 digitale Lernmodule mit rund 400 Seiten Fachtext bereit, dazu Reflexion und Praxissimulationen.

Wer dokumentiert die Entwicklung während der Ausbildung?

Die fachliche Dokumentation erfolgt fortlaufend durch die Trainer. Teilnehmende werden in den Reflexionsprozess einbezogen, die Einschätzung dient jedoch der Qualitätssicherung und Einsatzvorbereitung.

Kann die Ausbildung verlängert werden?

Ja. Wenn zusätzliche Stabilität, Training oder Entwicklung sinnvoll ist, wird die Ausbildungsdauer angepasst. Ziel ist eine sichere und nachhaltige Einsatzfähigkeit – nicht ein schneller Abschluss.

Mehr zur Prüfung und Zertifizierung findest du in der Prüfungsordnung für soziale Hunde. Die konkreten Ausbildungen mit Preisen stehen in der Übersicht der Ausbildungen.