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Hunderatgeber · Hundeerziehung und Training

Welpenerziehung Woche 3–4: Mut, Grenzen und die erste große Weltentdeckung

Jetzt wird dein Welpe mutiger, neugieriger, energiegeladener. Die Phase, in der erste Regeln entstehen – und in der zwei Fehler besonders leicht passieren.

20. März 2026 · 12 Minuten Lesezeit

Die ersten beiden Wochen sind geschafft! Dein Welpe hat sich eingelebt, weiß, dass bei dir Sicherheit zu finden ist, und kennt seinen verlässlichen Tagesablauf. Nun öffnet sich das nächste Kapitel: Woche 3 und 4 bringen einen Entwicklungsschub – körperlich, geistig und emotional.

Das Wichtigste zuerst: Dein Welpe wird jetzt mutiger, neugieriger und energiegeladener. Das ist die Phase, in der du erste klare Regeln etablierst und ihn behutsam an die Welt heranführst. Zwei Dinge sind entscheidend: das richtige Maß zwischen Förderung und Überforderung – neue Reize immer in kleinen, positiven Dosen und unterhalb seiner individuellen Belastungsgrenze – und gutes Timing beim Belohnen. „Grenzentesten“ gehört jetzt dazu und ist kein Ungehorsam, sondern normales Lernen. Training bleibt kurz (2–5 Minuten), spielerisch und endet immer positiv. Es geht nicht um Perfektion, sondern um gute erste Erfahrungen.

👉 Welpenerziehung Woche 1–2: Orientierung, Sicherheit & Bindung

Mischlingswelpe läuft neugierig an der Leine über einen Kiesweg im Grünen und erkundet aufmerksam seine Umgebung während eines ruhigen Trainingsspaziergangs

Das große Ziel: Struktur, erste Regeln & Umwelttraining

War die erste Phase reiner Orientierung und Bindung gewidmet, geht es nun darum, diese Basis mit klaren Strukturen zu untermauern. Dein Welpe beginnt zu verstehen, dass es „Spielregeln“ gibt – und er wird sie aktiv austesten. Das ist kein Ungehorsam, sondern völlig normale Welpenentwicklung.

Gleichzeitig öffnest du die Tür zur Umwelt. Umwelttraining heißt: Du führst kontrolliert und positiv unterschiedlichste Reize ein, damit dein Hund später ein souveräner, angstfreier Begleiter wird.

Was sich in dieser Phase entwickelt

Dein Welpe wird mutiger. Mit jeder sicheren Erfahrung wächst das Selbstvertrauen. Wo er anfangs zögerlich an deiner Seite blieb, traut er sich nun ein Stück weiter, schnuppert an unbekannten Dingen und reagiert neugieriger auf Geräusche.

Er testet Grenzen. Jetzt entdeckt dein Welpe, dass sein Verhalten Konsequenzen hat: Was passiert, wenn ich an der Hose zupfe? Wenn ich nicht komme? Wenn ich auf die Couch springe? Dieses Ausprobieren ist kein Zeichen von Dominanz, sondern eine intelligente Form des Lernens – er prüft, ob die gelernten Regeln noch gelten und ob sie überall gelten.

Er hat mehr Energie. Die Wachphasen werden länger; der Schlafbedarf liegt häufig weiterhin bei etwa 16–20 Stunden pro Tag und nimmt mit zunehmendem Alter langsam ab (die Unterschiede zwischen einzelnen Welpen sind groß). Dein Welpe hat nun mehr Energie für Spiel, Erkundung und erste Trainingseinheiten. Wird diese Energie nicht gelenkt, sucht er sich selbst Beschäftigung – und die ist nicht immer die, die du dir wünschst.

Training jetzt – die wichtigsten Übungen

Es geht nicht um Perfektion, sondern um positive Grundsteine. Jede Einheit ist kurz (2–5 Minuten), spielerisch und endet mit einer Belohnung.

Leinengewöhnung

In dieser Phase geht es noch nicht um „Leinenführigkeit“, sondern darum, dass dein Welpe die Leine als etwas Neutrales oder Positives kennenlernt. Beginne ohne Druck: Leg Geschirr oder Halsband zunächst nur für ein paar Sekunden an und belohne, dann steigere die Tragezeit langsam. Lass die Leine unter Aufsicht im Haus hinter deinem Welpen herlaufen, damit er sich an das Gefühl gewöhnt, ohne dass du ziehst. Nimm sie dann in die Hand und folge deinem Welpen, statt ihn zu führen – jeden entspannten Schritt belohnen, nie ruckartig ziehen (das erzeugt Gegenwehr und negative Verknüpfungen).

Beispiel aus der Praxis: Yuki findet ihr Geschirr anfangs unheimlich. Statt es ihr einfach überzuziehen, hält ihr Mensch es nur hin – und es regnet Leckerli. Nach ein paar Tagen steckt Yuki den Kopf freiwillig hindurch, weil „Geschirr“ inzwischen „gleich passiert was Gutes“ bedeutet. Erst dann kommt der nächste Schritt.

Rückruf ausbauen

Den spielerischen Grundstein aus Woche 1–2 baust du jetzt aus – weiter ohne Druck und ohne Ablenkung. Ruf deinen Welpen in ruhiger Umgebung und belohne mit etwas besonders Hochwertigem oder einem kurzen Spiel; variiere den Abstand. Wichtig: Das Rückrufsignal muss der absolute „Hit“ sein – benutze es nie, um etwas Unangenehmes einzuleiten (Spiel beenden, ins Körbchen schicken). Je stärker die Belohnungsgeschichte jetzt ist, desto zuverlässiger wird der Rückruf später unter Ablenkung.

👉 Rückruftraining für Hunde – Schritt für Schritt zum zuverlässigen Rückruf

Frustration aushalten lernen

Nicht jeder Wunsch wird sofort erfüllt – dein Welpe darf lernen, dass kurze Wartemomente nicht bedrohlich sind. Du kannst zum Beispiel kurze, freiwillige Wartemomente fördern, indem du ruhiges Verhalten belohnst und den Zugang zu einer Ressource – etwa dem Napf – ruhig und kontrolliert gestaltest; die Wartezeit steigerst du ganz langsam von einer auf wenige Sekunden. Oder du unterbrichst ein tolles Spiel kurz und machst dann weiter, sodass er lernt: „Kurze Pause – gleich geht’s weiter.“ Diese Frustrationstoleranz ist keine „Unterwerfung“, sondern ein Baustein für emotionale Stabilität – ein Hund, der kleine Enttäuschungen aushält, ist später bei unvermeidbaren Wartezeiten (Tierarzt, Alltag) entspannter.

Deckentraining starten

Das Deckentraining gibt deinem Welpen einen festen Rückzugsort, der Entspannung signalisiert – und dir hilft es, im Alltag Ruhephasen zu schaffen. Leg eine weiche Decke an einen ruhigen Ort und wirf immer wieder Leckerli darauf, sodass dein Welpe freiwillig hingeht. Sucht er die Decke auf, kannst du nach und nach ein Signal wie „Decke“ ergänzen und zunächst nur kurze Verweildauern verlangen. Ganz wichtig: Die Decke ist immer etwas Positives – schick deinen Welpen nie „zur Strafe“ dorthin. Er soll sich selbst für die Decke entscheiden, weil dort Gutes passiert.

Alleinbleiben vorbereiten

Auch wenn dein Welpe jetzt noch nicht lange allein bleiben soll, kannst du erste Grundlagen legen. Beginne mit ganz kurzen Trennungsmomenten im Alltag: Tür kurz schließen, wieder zurückkommen, dabei ruhig und unaufgeregt bleiben. Ziel ist ausdrücklich nicht, dass dein Welpe etwas „aushalten muss“, sondern dass er die Erfahrung macht: Dein Weggehen ist vorhersehbar – und du kommst zuverlässig zurück. Aus diesen Sekunden werden mit der Zeit ganz von selbst Minuten.

👉 Trennungsangst beim Hund – warum dein Verhalten entscheidend ist

Umwelttraining: die Welt entdecken

Jetzt erweiterst du die „kleine Welt“ eures Zuhauses behutsam. Umwelttraining heißt: Du begleitest deinen Welpen aktiv beim Erkunden neuer Reize und sorgst dafür, dass diese Erfahrungen positiv bleiben.

👉 Sozialisation beim Welpen – der wichtigste Grundstein

Verschiedene Untergründe. Bisher kannte dein Welpe meist nur glatte Böden. Draußen warten Gras, Asphalt, Kies, Holz, nasser Boden, vielleicht Schnee oder Sand. Nimm ihn an ruhige, überschaubare Orte und lass ihn in seinem Tempo erkunden; geh selbst voran und locke mit Leckerli – deine Sicherheit überträgt sich. Die sensible Phase für die Gewöhnung an unterschiedliche Untergründe ist jetzt besonders ausgeprägt: Positive Erfahrungen beugen späteren Unsicherheiten vor.

Geräusche. Staubsauger, Waschmaschine, Autos, Kinderlachen – all das muss dein Welpe erst einordnen lernen. Spiele Geräusche zunächst leise ab, während er entspannt ist, und verknüpfe sie mit etwas Gutem (Futter, Spiel). Überschreite dabei nie die Reizschwelle: Zeigt dein Welpe Angst oder Stress (angelegte Ohren, eingezogene Rute, Fluchtversuch), reduziere den Reiz sofort. Bei guter Desensibilisierung arbeitet man unterhalb der Reizschwelle – niemals durch „Überfluten“.

Kurze Ausflüge. Erste Ausflüge sind jetzt möglich, aber altersgerecht: Ein rund 10–12 Wochen alter Welpe ist noch nicht bereit für lange Spaziergänge oder den Trubel der Fußgängerzone. 10–15 Minuten mehrmals täglich reichen völlig. Wähle ruhige Wohnstraßen, Feldwege oder stille Parks, wo du die Reizdichte steuern kannst. Ziel sind nicht Kilometer, sondern positive Eindrücke: stehen bleiben, beobachten, entspanntes Verhalten belohnen. Wird dein Welpe unsicher, darf er ruhig auf den Arm – so lernt er: „Ich bin sicher, mein Mensch passt auf.“

Typische Fehler in Woche 3–4

1. Zu schnell, zu viel wollen. Dein Welpe macht Fortschritte – also gleich Hundeschule, Stadtpark und Besuch bei Oma? Sein Nervensystem ist noch nicht ausgereift; zu viele Reize auf einmal führen zu Stress (Überdrehtheit, Angst, Konzentrationsprobleme). Die Stressforschung deutet darauf hin, dass anhaltender Stress in der Sozialisierungsphase spätere Verhaltensprobleme begünstigen kann. Besser: das „Zwei-Schritte-Prinzip“ – ein neuer Reiz, dann wieder vertraute Umgebung. Reizdichte langsam aufbauen.

Beispiel aus der Praxis: Ninos Familie meint es gut und packt an einem Tag Baumarkt, Café und Welpentreffen zusammen. Am Abend ist Nino völlig überdreht, beißt wie wild und findet keine Ruhe. Nicht der Charakter ist das Problem, sondern schlicht zu viel auf einmal. Am nächsten Tag: nur ein kleiner, ruhiger Reiz – und Nino ist wieder ausgeglichen.

2. Zu lange oder zu schwere Einheiten. „Sitz klappt, dann üben wir jetzt zehn Minuten Platz!“ Welpen haben eine kurze Aufmerksamkeitsspanne; lange Einheiten frustrieren und nehmen die Freude. Besser: 2–5 Minuten, dann Pause – lieber drei kurze Einheiten am Tag als eine lange.

3. Falsches Timing beim Belohnen. Hunde verknüpfen eine Konsequenz eng mit dem unmittelbar vorangegangenen Verhalten. Belohnst du zu spät (etwa erst, wenn dein Welpe sich schon wieder abgewandt hat), verstärkst du womöglich das Falsche. Besser: innerhalb von 1–2 Sekunden belohnen. Ein Markersignal (Clicker oder ein kurzes „Ja“) hilft, den genauen Moment zu markieren und die Zeit bis zum Leckerli zu überbrücken.

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Fazit: Struktur, Freude und ein sicherer Rahmen

Die Wochen 3 und 4 sind eine aufregende Zeit: Dein Welpe zeigt mehr Persönlichkeit, wird selbstbewusster und erkundet die Welt mit eigenen Pfoten. Deine Aufgabe ist ein sicherer Rahmen – mit klaren Regeln, liebevoller Konsequenz und einem feinen Gespür für seine Grenzen. Struktur gibt Orientierung, erste Regeln werden nicht durch Härte, sondern durch positive Verstärkung und Geduld gefestigt, und Umwelttraining öffnet die Tür zur Welt – immer in kleinen, sicheren Schritten.

Wenn du diese Phase mit Bedacht gestaltest, legst du das Fundament für einen Hund, der später neugierig, souverän und mit Freude an deiner Seite durchs Leben geht. Genieße die kleinen Fortschritte – jede positive Erfahrung von jetzt zahlt sich ein Leben lang aus.

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Welpenerziehung Woche 3–4 – Training, Regeln und Umwelt

Was lernt mein Welpe in Woche 3–4?

In Woche 3–4 geht es darum, die sichere Basis aus den ersten Tagen auszubauen. Dein Welpe lernt erste Regeln, sammelt positive Erfahrungen mit seiner Umwelt und entwickelt mehr Selbstvertrauen. Wichtig sind Struktur, Orientierung und ein langsamer Aufbau neuer Reize.

Wann beginne ich mit dem Training meines Welpen?

Training beginnt bereits im Welpenalter, aber immer spielerisch und angepasst an die Belastbarkeit des Hundes. In Woche 3–4 eignen sich kurze Einheiten von wenigen Minuten für Übungen wie Aufmerksamkeit, erste Rückrufspiele, Leinengewöhnung und Deckentraining.

Wie lange sollte ich mit meinem Welpen trainieren?

Kurze Trainingseinheiten von etwa 2–5 Minuten sind ideal. Mehrere kleine Einheiten über den Tag verteilt sind sinnvoller als lange Übungen, da Welpen nur eine kurze Konzentrationsspanne haben und Lernen positiv bleiben soll.

Wie gewöhne ich meinen Welpen an neue Umweltreize?

Neue Reize sollten schrittweise und positiv eingeführt werden. Unterschiedliche Untergründe, Geräusche und Orte werden in einem Tempo erkundet, das den Welpen nicht überfordert. Ziel ist nicht möglichst viel zu erleben, sondern gute Erfahrungen zu sammeln.

Warum testet mein Welpe plötzlich Grenzen?

Das sogenannte Grenzentesten ist ein normaler Teil der Entwicklung. Dein Welpe probiert aus, welche Regeln gelten und welche Folgen sein Verhalten hat. Es geht dabei nicht um Dominanz oder Ungehorsam, sondern um Lernen und Orientierung.

Wie übe ich die Leine mit meinem Welpen?

In dieser Phase geht es zunächst um Leinengewöhnung, nicht um perfekte Leinenführigkeit. Dein Welpe soll Halsband, Geschirr und Leine positiv kennenlernen. Ruhiges Verhalten wird belohnt, Druck und Leinenruck sollten vermieden werden.

Kann ich in Woche 3–4 schon Alleinbleiben üben?

Ja, erste Grundlagen können spielerisch aufgebaut werden. Es geht noch nicht darum, den Welpen lange alleine zu lassen, sondern kurze, positive Trennungsmomente zu schaffen. Der Welpe soll lernen, dass Weggehen vorhersehbar ist und du zuverlässig zurückkommst.

Was ist in Woche 3–4 besonders wichtig?

Das richtige Gleichgewicht zwischen Förderung und Ruhe ist entscheidend. Dein Welpe braucht neue Erfahrungen, aber auch ausreichend Schlaf und Erholung. Struktur, positive Verstärkung und ein langsamer Aufbau helfen ihm, sicher und souverän zu werden.

Zum Weiterarbeiten

Lernwerkzeuge und Fachbücher

Wer ein Thema vertiefen will, findet bei uns mehr als Beiträge: den Sachkunde-Trainer für Hundehalter, den Prüfungstrainer für angehende Hundetrainerinnen und Hundetrainer, Arbeitshefte zu einzelnen Problemen und zwei Fachbücher aus dem unterHUNDs Verlag.

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