Hunderatgeber · Alltag mit Hund
Einen Hund anschaffen – was du vorher unbedingt bedenken solltest
Ein pauschales Hundeverbot im Formularmietvertrag ist unwirksam. Das heißt aber nicht, dass du einfach einen Hund halten darfst – und dieser Unterschied wird regelmäßig teuer.
12. September 2023 · 11 Minuten Lesezeit
Das Wichtigste zuerst: Zwei Fragen solltest du klären, bevor du dich in ein Foto verliebst.
Die eine ist rechtlich: Wenn du zur Miete wohnst, ist ein pauschales Hundeverbot im Formularmietvertrag zwar unwirksam – das bedeutet aber nicht, dass du einfach einen Hund halten darfst. Es bedeutet, dass im Einzelfall abgewogen wird.
Die andere ist finanziell: Nicht die monatlichen Kosten bringen Halter in Bedrängnis, sondern die Rechnung, die unangekündigt kommt.
👉 Wenn ein Hund aus dem Tierschutz infrage kommt: Adoption eines Tierschutzhundes · Wenn es ein Welpe vom Züchter werden soll: Woran erkennt man einen seriösen Züchter
Ein Hund bereichert das Leben. Er ist aber kein Hobby, sondern ein Lebewesen mit Bedürfnissen und einer Lebenserwartung, die je nach Größe von etwa acht bis über fünfzehn Jahren reicht. Wer sich vorher informiert, trifft eine bessere Entscheidung – in beide Richtungen.
Mietwohnung: was tatsächlich gilt
Das ist für viele die erste praktische Hürde, und die Rechtslage wird regelmäßig zur Hälfte wiedergegeben.
Der Bundesgerichtshof hat 2013 entschieden, dass eine Formularklausel im Wohnraummietvertrag, die das Halten von Hunden und Katzen generell verbietet, unwirksam ist. Sie benachteiligt den Mieter unangemessen und widerspricht der Gebrauchsgewährungspflicht des Vermieters. Ebenso unwirksam ist ein Erlaubnisvorbehalt, der die Zustimmung vollständig ins freie Ermessen des Vermieters stellt.
Der Teil, der meist weggelassen wird: Die Unwirksamkeit der Klausel führt nicht dazu, dass du ohne Rücksicht auf andere einen Hund halten darfst. Sie führt dazu, dass eine umfassende Interessenabwägung im Einzelfall vorzunehmen ist.
Abzuwägen sind nach der Entscheidung unter anderem: Art, Größe, Verhalten und Anzahl der Tiere; Art, Größe, Zustand und Lage von Wohnung und Haus; Anzahl, Alter und berechtigte Interessen der Mitbewohner und Nachbarn; welche anderen Tiere im Haus leben; und wie der Vermieter das bisher gehandhabt hat.
Praktisch heißt das: Sprich vorher mit deiner Vermieterin, statt dich auf eine Rechtslage zu berufen, die im Streitfall eine Einzelfallprüfung bedeutet. Eine schriftliche Erlaubnis ist die ruhigere Variante als ein Rechtsstreit mit einem Hund, der schon da ist.
Dieser Abschnitt gibt den Regelungsgehalt der zitierten Entscheidung wieder und ersetzt keine Rechtsberatung.
Zeit – und zwar an schlechten Tagen
Hunde brauchen täglich Aufmerksamkeit, Bewegung und Beschäftigung. Die eigentliche Frage ist dabei nicht, ob du an einem freien Samstag Zeit hast, sondern:
- Wer geht raus, wenn du krank bist oder Überstunden machst?
- Wer übernimmt bei einem Krankenhausaufenthalt?
- Was passiert bei einem Jobwechsel mit anderen Arbeitszeiten?
- Und die unbequeme: Was passiert bei Trennung oder Umzug?
Die Tierschutz-Hundeverordnung verlangt übrigens mehrmals täglich Umgang mit der Betreuungsperson, für Welpen bis zwanzig Wochen mindestens vier Stunden am Tag. Das ist eine Vorgabe, keine Empfehlung.
👉 Wie lange darf ein Hund allein bleiben?
Welpe oder erwachsener Hund?
Diese Frage fehlt in den meisten Checklisten und beantwortet oft mehr als die Rassefrage.
Ein Welpe bedeutet Stubenreinheitstraining, Nächte mit wenig Schlaf, ein bis zwei Jahre intensive Begleitung durch Sozialisierung und Pubertät – dafür kennst du seine Vorgeschichte.
Ein erwachsener Hund kommt mit fertiger Persönlichkeit. Das ist ein Vorteil: Du siehst, wen du bekommst, statt zu hoffen. Und es ist eine Einschränkung: Erfahrungen sind gemacht, gute wie schlechte.
Für Menschen mit vollem Alltag ist ein erwachsener, ausgeglichener Hund häufig die realistischere Wahl – auch wenn die Vorstellung vom Welpen die schönere ist.
Rasse: nützlich, aber überschätzt
Informiere dich über rassetypische Anforderungen an Auslastung, Erziehung und Pflege. Größe sagt dabei wenig – ein kleiner Terrier kann anspruchsvoller sein als ein großer, ruhiger Hund.
Zur Einordnung gehört allerdings, wie weit Rasseinformationen tragen: Nach der bislang größten genetischen Untersuchung erklärt die Rassezugehörigkeit nur einen kleinen Teil der Verhaltensunterschiede zwischen einzelnen Hunden. Sie sagt dir, worauf du achten solltest – nicht, wie dieser Hund sein wird.
Deshalb ist der Blick auf den einzelnen Hund wichtiger als der auf die Rassebeschreibung.
Finanzen: die Struktur ist wichtiger als die Zahl
Zu den laufenden Kosten kursieren Spannen von 80 bis 200 Euro im Monat. Wir nennen hier bewusst keine feste Zahl, weil sie sich je nach Größe, Gesundheit, Region und Versicherungsschutz erheblich unterscheidet – und weil die Tierarztkosten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind.
Warum das so ist: Tierärztliche Leistungen werden in Deutschland nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) abgerechnet. Sie wurde zum 22. November 2022 novelliert. Im Regelfall darf zwischen dem Einfachen und dem Dreifachen des Gebührensatzes abgerechnet werden, im Notdienst zwischen dem Zwei- und Vierfachen, zuzüglich einer Notdienstgebühr. Eine Evaluierung der Novelle läuft.
Was du realistisch einplanen solltest:
- Laufend: Futter, Vorsorge und Impfungen, Parasitenprophylaxe, Ausstattung, Hundesteuer, Haftpflichtversicherung, Hundeschule
- Einmalig: Anschaffung beziehungsweise Schutzgebühr, Grundausstattung, Kastration falls indiziert
- Und der Posten, der Halter tatsächlich in Bedrängnis bringt: die unvorhergesehene Rechnung. Ein Kreuzbandriss, ein Fremdkörper im Darm, eine chronische Erkrankung – das sind vier- bis fünfstellige Beträge, die zu einem beliebigen Zeitpunkt anfallen können.
Deshalb ist die ehrliche Frage nicht „kann ich mir 120 Euro im Monat leisten", sondern:
Habe ich eine Rücklage oder eine Versicherung für den Fall, dass eine Behandlung mehrere tausend Euro kostet? Wer das nicht hat, steht irgendwann vor einer Entscheidung, die niemand treffen möchte.
👉 Hundekranken- und OP-Versicherungen im Überblick
Allergien: ein verbreiteter Irrtum
„Hypoallergene Rassen" gibt es in der Form, in der sie beworben werden, nicht. Die relevanten Allergene stammen überwiegend aus Hautschuppen, Speichel und Urin – nicht aus den Haaren selbst. Rassen, die wenig haaren, verteilen möglicherweise weniger Allergene in der Wohnung, sind aber nicht allergenfrei.
Wenn im Haushalt eine Allergie besteht, ist ein Allergietest beim Facharzt und nach Möglichkeit ein längerer Kontakt mit einem Hund der fraglichen Rasse aussagekräftiger als jede Rasseempfehlung.
Rechtliches jenseits des Mietvertrags
- Anmeldung und Hundesteuer bei der Gemeinde
- Haftpflichtversicherung – in einigen Bundesländern für alle Hunde vorgeschrieben, in anderen nur für als gefährlich eingestufte. Unabhängig davon dringend zu empfehlen, weil du nach § 833 BGB verschuldensunabhängig haftest
- Rasselisten – je nach Bundesland Auflagen, Wesenstest oder Haltungserlaubnis; teils entscheidet das äußere Erscheinungsbild, was besonders bei Mischlingen unbekannter Abstammung relevant wird
- Sachkundenachweis – in einzelnen Bundesländern für alle Halter vorgeschrieben, in anderen bei gelisteten Rassen
- Leinenpflichten – kommunal und über Schutzgebiete geregelt, mit zusätzlichen Anleinpflichten in der Brut- und Setzzeit
👉 Leinenpflicht im Saarland · Verantwortungsvoller Umgang mit Hunden in der Öffentlichkeit
Nachbarschaft und Bellen
In Mehrfamilienhäusern gehört Bellen zu den verbreitetsten Konfliktpunkten. Wichtig ist dabei die Blickrichtung: Bellen ist selten ein Erziehungsdefizit, sondern meist ein Symptom – Trennungsstress, Unsicherheit, Reizüberflutung im Treppenhaus.
Entsprechend hilft nicht, das Bellen zu unterbinden, sondern die Ursache zu bearbeiten. Alleinbleiben-Training gehört deshalb von Anfang an dazu, nicht erst, wenn es Beschwerden gibt.
Wann die Antwort vielleicht „nicht jetzt" lautet
Dieser Abschnitt fehlt in fast jedem Ratgeber, und er ist der ehrlichste.
Es gibt Situationen, in denen ein Hund keine gute Entscheidung ist – nicht, weil jemand ungeeignet wäre, sondern weil der Zeitpunkt nicht passt:
- Wenn absehbar größere Veränderungen anstehen: Umzug, Berufseinstieg, Familienplanung, Pflegefall in der Familie
- Wenn die Betreuung nur von einer einzigen Person abhängt und es keinen Ersatz gibt
- Wenn keine finanzielle Rücklage für Notfälle besteht
- Wenn der Wunsch aus einer akuten Krise heraus entsteht – ein Hund ist kein Trost, sondern eine Aufgabe
- Wenn im Haushalt Uneinigkeit besteht: Ein Hund gegen den Widerstand eines Mitbewohners endet selten gut
„Nicht jetzt" ist keine Absage an das Leben mit Hund. Es ist die Entscheidung, sie zu treffen, wenn sie trägt.
Fazit
Wer einen Hund aufnimmt, übernimmt Verantwortung – zeitlich, finanziell und über zehn bis fünfzehn Jahre hinweg.
Wenn du drei Dinge vorher klärst, hast du das Wesentliche: die Zustimmung deines Vermieters, eine Rücklage für den Notfall und eine zweite Person, die einspringen kann.
Alles andere lernt man unterwegs. Diese drei nicht.
Rechtsgrundlagen
- BGH, Urteil vom 20. März 2013 – VIII ZR 168/12 – generelles Verbot der Hunde- und Katzenhaltung in einer Formularklausel unwirksam; stattdessen Interessenabwägung im Einzelfall nach § 535 Abs. 1 BGB
- § 307 BGB – Unwirksamkeit unangemessen benachteiligender Klauseln in Allgemeinen Geschäftsbedingungen
- § 833 BGB – verschuldensunabhängige Haftung des Tierhalters
- § 2 TierSchHuV – mehrmals täglich Umgang mit der Betreuungsperson; für Welpen bis zwanzig Wochen mindestens vier Stunden je Tag
- Gebührenordnung für Tierärzte (GOT), Fassung vom 22. November 2022
- Landes- und Gemeinderecht – Hundesteuer, Rasselisten, Sachkundenachweis, Versicherungspflicht, Leinenpflichten
Quellen
- Bundesgerichtshof, Urteil vom 20. März 2013 – VIII ZR 168/12. https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2013/2013047.html
- Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), §§ 307, 535, 833. https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/
- Morrill, K., Hekman, J., Li, X., et al. (2022). Ancestry-inclusive dog genomics challenges popular breed stereotypes. Science, 376(6592), eabk0639. https://doi.org/10.1126/science.abk0639
- Tierschutz-Hundeverordnung (TierSchHuV), § 2. https://www.gesetze-im-internet.de/tierschhuv/__2.html
Einordnung der Quellenlage
Die mietrechtlichen Angaben geben den Regelungsgehalt der zitierten BGH-Entscheidung wieder. Sie betrifft Formularklauseln in Wohnraummietverträgen; individuell ausgehandelte Vereinbarungen können anders zu beurteilen sein, und der Ausgang einer Interessenabwägung lässt sich nicht allgemein vorhersagen.
Zu den laufenden Haltungskosten nennen wir bewusst keine Zahl. Die kursierenden Spannen beruhen auf unterschiedlichen Erhebungsmethoden und berücksichtigen die Entwicklung der tierärztlichen Gebühren seit der GOT-Novelle unterschiedlich.
Landesrechtliche Vorgaben zu Rasselisten, Sachkundenachweis und Versicherungspflicht unterscheiden sich erheblich und ändern sich; verbindlich ist die Auskunft der zuständigen Stelle deines Wohnorts. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.
Die Aussagen zur Aussagekraft der Rassezugehörigkeit folgen Morrill et al. (2022).
Häufige Fragen und Antworten rund um das Thema Hund anschaffen
Die wichtigsten Antworten für alle, die einen Hund anschaffen möchten
Wie viel Zeit braucht ein Hund täglich?
Der Zeitbedarf hängt stark von Alter, Gesundheit, Charakter und Bedürfnissen des Hundes ab. Neben Spaziergängen gehören auch Pflege, Training, gemeinsame Beschäftigung und Alltagseinbindung dazu. Entscheidend ist nicht nur die Zeit an guten Tagen, sondern auch die Betreuung an stressigen oder schwierigen Tagen.
Wie viel kostet ein Hund?
Die Kosten unterscheiden sich je nach Größe, Futter, Gesundheit, Versicherung und Lebensumständen. Neben laufenden Ausgaben solltest du vor allem Rücklagen für unerwartete Tierarztkosten einplanen, denn größere Behandlungen können mehrere tausend Euro kosten.
Passt ein Hund auch in eine Wohnung?
Ja. Nicht die Wohnungsgröße allein entscheidet, sondern ob der Hund ausreichend Bewegung, Beschäftigung, Ruhe und passende Lebensbedingungen bekommt. Auch größere Hunde können in einer Wohnung zufrieden leben, wenn ihre Bedürfnisse erfüllt werden.
Welche Hunderasse passt zu mir?
Die passende Rasse hängt von deinem Alltag, deiner Erfahrung, deiner Wohnsituation und den Bedürfnissen des Hundes ab. Rassemerkmale können Hinweise geben, sagen aber nicht sicher voraus, wie ein einzelner Hund sein wird. Auch erwachsene Hunde aus dem Tierschutz können eine passende Wahl sein.
Wie lange lebt ein Hund durchschnittlich?
Die Lebenserwartung hängt stark von Größe, Genetik, Gesundheit und Haltung ab. Viele Hunde leben etwa zehn bis fünfzehn Jahre, einzelne auch länger. Mit der Anschaffung übernimmst du deshalb eine langfristige Verantwortung.
Brauche ich eine Haftpflichtversicherung für meinen Hund?
Die Regelungen unterscheiden sich je nach Bundesland. Unabhängig davon ist eine Hundehaftpflicht sehr empfehlenswert, weil Hundehalter nach § 833 BGB grundsätzlich verschuldensunabhängig für Schäden haften können.
Sollte ich einen Welpen oder einen erwachsenen Hund nehmen?
Ein Welpe bedeutet intensive Begleitung, Erziehung und Entwicklungsphasen. Ein erwachsener Hund hat bereits eine gefestigtere Persönlichkeit, sodass du besser einschätzen kannst, wer zu dir passt. Welche Wahl sinnvoller ist, hängt von deinem Alltag und deinen Möglichkeiten ab.
Wann ist vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt für einen Hund?
Ein Hund ist möglicherweise keine gute Entscheidung, wenn größere Veränderungen bevorstehen, keine Betreuung im Notfall vorhanden ist, finanzielle Rücklagen fehlen oder der Haushalt nicht hinter der Entscheidung steht. „Nicht jetzt“ kann eine verantwortungsvolle Entscheidung sein.
Blogbeitrag: Tipps bei der Anschaffung eines Hundes